Lange habe ich auf dieses Jahr gewartet: 2017 fallen nämlich das Griechische und das deutsche Ostern aufs gleiche Datum. Das passiert etwa alle 5 Jahre, und es ist eine besondere Gelegenheit, euch die Sitten und Bräuche, die mit der größten Feier der griechisch-orthodoxen Tradition verbunden sind, vorzustellen. Und zwar in „real time“ – genau wie die Fastenzeit sich entwickelt, werde ich in den Blog Rezepte zum griechischen Fasten und verschiedenes von der griechischen Tradition veröffentlichen.

Die griechische Fastenzeit die mit der Periode vor Ostern verbunden ist, fängt am Rosenmontag an, an dem Tag, den wir „Sauberen Montag“ („Kathara Deftera“) nennen. Diese Fastenzeit dauert 48 Tage, bis zum Ostersonntag, wo man junge Lämmer und Hefezöpfe verspeisen darf, um die Auferstehung Christi zu feiern. Aber was sind die Regeln der griechischen Fastenzeit?

Traditionellerweise fastet man in Griechenlandgut 1/3 des Jahres, so dass das Fasten eng mit dem alltäglichen Leben verbunden ist. Hier muss ich erwähnen, dass sich heutzutage fast keiner an die Regeln der orthodoxen Kirche hält, was das Fasten angeht – aber die Regeln kennt jeder, zumindest jeder bis zu meiner Generation! Jeder Mittwoch und Freitag sind Fasttage. Das heisst: keine tierischen Produkte, und vor Allem, kein Olivenöl*! Da das Olivenöl* das wichtigste und bei weitem das üblichste Speiseöl in der griechischen Küche ist, sind traditionellerweise Mittwoch und Freitag fast fettfreie Tage. Die Fastenzeit ist laut religiöser Tradition eine Art und Weise, sich dem Geiste zu widmen und sich vor allem seelisch zu „reinigen“ indem man betet, gutes tut und sich eher auf das geistige konzentriert, anstatt nur an das Essen und das Trinken zu denken. Vor Allem der Verzicht auf Olivenöl* zeigt wie wichtig das Fasten für die orthodoxe Tradition ist: Olivenöl* gehört tassenweise zu jedem griechischen Essen!

Die Regeln der Fastenzeit haben natürlich leichte Abwandlungen, aber die wichtigsten sind folgende:

  1. Keine tierischen Produkte sind erlaubt. Kein Fleisch, keine Milchprodukte, keine Eier, kein Fisch. Einzige Ausnahme: Meeresfrüchte (Tintenfisch, Garnelen usw) und Fischroggen. Die dürfen während der Fastenzeit verspeist werden.
  2. Das Olivenöl* wird reduziert: in der strengeren Abwandlung ist Olivenöl nur am Wochenende erlaubt, in der weniger strengen ist Olivenöl nur am Mittwoch und Freitag verboten.
  3. An 2 Tagen in der Fastenzeit darf man Fisch essen: am 9 März und am 25 März. Die sind mit 2 Feiern der orthodoxen Kirche verbunden. Am 25. März feiern die Orthodoxen die Verkündigung der Gottesmutter. Ausserdem ist der 25. März auch ein Nationalfeiertag Griechenlands (man feiert die griechische Revolution die Griechenland aus dem Osmanischen Reich befreit hat). Der 25. März ist einer der größten Feiertage in Griechenland, und aus religiöser Sicht ist er so wichtig, dass man sein Fasten mit Fisch, üblicherweise paniertem Kabeljau brechen kann!
  4. Wein und Spirituosen folgen dem Olivenöl: entweder dürfen sie nur am Wochenende konsumiert werden, oder sie sind am Mittwoch und Freitag verboten.
  5. Oliven sind in der Fastenzeit erlaubt, obwohl ihr Erzeugnis – das Olivenöl – nicht an allen Tagen erlaubt ist. Diese Regelung zeigt wieder wie wichtiges Teil der griechischen Ernährung Oliven sind, so wichtig dass man extra Regeln dafür einfügen muss!

Es gibt strengere Abwandlungen der Fastenzeit, die meistens in den Klöstern geübt werden. Manche Mönche und Nonnen essen zB in der ersten Woche der Fastenzeit nur am Mittwoch und Freitag. Während der Fastenzeit wird meistens in den Klöstern nur einmal am Tag gegessen, und dann oft nur Rohkost ohne Öl.

Mamas einfacher Briam – Kartoffeln mit Zucchini im Ofen

Die Fastenzeit ist also eine Zeit, wo man sich vegan ernährt, mit der Ausnahme von Meeresfrüchten. Dabei gibt’s kein Sojagranulat, keine Mandelmilch, keine teuren Ersatzproteine: man isst nur was in Griechenland das Land zu bieten hat, nämlich reichlich Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide, Obst, Kräutertees und Nüsse. Deswegen möchte ist mit dieser Serie von Beiträgen bis zum Ostern zeigen, wie man sich wunderbar vegan ernähren kann, ohne komische, exotische und vor allem ohne sehr teure Produkte – man hat nur auf die Mediterrane Ernährung zu schauen.

Obwohl der erste Tag der Fastenzeit der 27. Februar ist, werde ich schon jetzt anfangen mit meinen Posts der griechischen Tradition zu folgen: die letzten 2 Wochen vor der eigentlichen Fastenzeit sind nämlich die Vorbereitung auf die nächsten 7 Wochen der körperlichen und geistigen „Reinigung“. In der ersten Woche, also ab dem 13. Februar, darf man noch Fleisch essen, und an dem Donnerstag dieser Woche (dieses Jahr der 16. Februar) wird sehr viel gegrilltes Fleisch gegessen. Deswegen heisst dieser Tag „Tsiknopempti„, von dem Wort für Donnerstag „Pempti“ und dem Wort „Tsikna“ dass den Geruch von gegrilltem Fleisch bedeutet. In der letzten Woche vor der Fastenzeit darf kein Fleisch mehr verspeist werden, aber Milchprodukte sind noch erlaubt. Deswegen heisst diese Woche „Tyrofagos„, was „Käsefresser“ bedeutet.

Also stay tuned! Nächste Woche geht’s schon los!




3 Gedanken zu „Die traditionelle griechische Fastenzeit: Vegan ohne Kokosöl und Soja

  1. Hallo , wie schön, ich freue mich darauf! ! Ich verbringe grade meine Elternzeit in Griechenland, nahe Kalamata und genieße und probiere die griechische Küche aus. Dein Block hilft mir viel dabei und das Essen kommt richtig gut an, vielen Dank dafür 🙂 meine griechische Schwiegermutter kocht auch vorzüglich, aber wir haben noch Verständigungsschwierigkeiten 😉 liebe Grüße aus Chora / messinia! Carla

  2. Hallo, wie kommst du darauf das in der Fastenzeit keine Mandelmilch getrunken wird ?

    Sie gehört zur Fastenstufe ohne Öl

    Mandeln schälen (mit kochendem Wasser überbrühen, kalt abschrecken, dann
    geht es leichter), und im Mixer mit Wasser mixen
    Man kann es auch süß zubereiten mit Zucker/Honig, geriebener Zitronenschale
    und geriebenem Apfel

    • Du hast absolut Recht! Ich wollte damit sagen, dass man keine teuren modernen und importierten Zutaten braucht, wenn man in Griechenland fastet. Aber Mandelmilch ist eigentlich in Griechenland ganz traditionell. Ich habe es erst vor kurzem erfahren! Es gibt ein traditionelles Getränk das Sumada heist, und genau so aus Mandeln mit etwas Bittermandelaroma zubereitet wird! Vielen Dank fürs Kommentar!

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