Ich habe, ganz ohne Übertreibung, Jahre darüber nachgedacht, wie ich in diesem Blog Chorta erkläre. Am Ende habe ich beschlossen, dass ich einfach beschreiben werde, was „Chorta“ bedeutet, obwohl ich mich längst nicht mit den verschiedenen Sorten auskenne.

Unter „Chorta“ versteht man unterschiedliche Sorten von grünem Blattgemüse, dass meistens wild wächst und dass man auf dem Land und auf den Bergen sammelt, wenn es die richtige Jahreszeit ist. Dieses Gemüse wird dann gekocht und als Salat mit Zitronensaft und Olivenöl* angemacht verspeist. Ich habe in meinem Bekanntenkreis festgestellt dass der Begriff des „gekochten Salats“ etwas komisch für Deutsche ist.

Es gibt natürlich viele, sogar hunderte Sorten von „Chorta“, die wild in der Natur wachsen. Die Einheimischen kennen sich mit den Chorta jedes Ortes aus und oft findet man sie in den Tavernen als Beilage zu Fisch und Fleisch (Chorta sind in der Taverne meistens sehr teuer!). Diejenigen die sich damit auskennen, sammeln Chorta und verkaufen sie oft auf den griechischen Wochenmärkten.

Viele von den in Griechenland einheimischen Chorta kann man in Zentraleuropa auch finden, sie werden aber nicht als Speisegemüse erkannt, sondern eher als Unkraut. Ich kann mich an die kretischen Eltern einer Freundin in Graz erinnern, die mit Freude festgestellt haben, dass eine Sorte von Chorta dort in großen Mengen wächst, und sie mussten unbedingt viele Tütenvoll sammeln und kochen.

Chorta sind grob in zwei Kategorien untergebracht: süße und bittere („glyka“, „pikra“). Viele Leute sind von den bitteren Chorta ganz begeistert, andere bevorzugen die süßen Sorten. Bei unserer letzten Reise nach Griechenland, hat meine Mutter im Wochenmarkt Chorta gekauft, die als „Wilde, Süße“ von der Bäuerin geworben waren. Niemand hat gewusst wie sie heissen, und ich musste sehr lange im griechischen, deutschen und englischen Internet suchen, um herauszufinden, was diese Pflanze überhaupt war. Es stellt sich raus, dass es griechische Webseiten gibt, die lange Listen von Chorta haben, mitsamt Information über die Erntezeit und die Regionen wo sie wachsen. Diese Webseiten haben oft den botanischen Namen der jeweiligen Pflanze, was mich zu dem Namen „Capsella bursa-pastoris“ gebracht hat.

Wie manche von euch vielleicht wissen, dies ist ein in Deutschland gut bekanntes Kraut, das  Hirtentäschel. Mein Mann sagt mir dass dieses Kraut hier wild überall wächst. Die Probleme beim erkennen der Pflanze sind mehrfach: erstmal sehen die Blätter immer unterschiedlich aus, je nach dem wo es wächst. Es kann gut sein dass die Capsella Art die in Griechenland auf dem Berg wächst, eine leicht unterschiedliche Art ist, als die, die man gewöhnlicherweise in Deutschland finden würde. Ausserdem scheint es der Fall zu sein, dass man am Ende Februar und Anfang März, wo man diese Chorta üblicherweise sammelt, eher die jungen, zarten Pflanzen findet, deren Blätter nicht so ausgewachsen sind wie bei der großen Pflanze. Schliesslich können die Blätter von der gleichen Pflanze unterschiedlich aussehen, je nach den Klimabedingungen im Ort.

Zwei der beliebtesten „Chorta“ Sorten sind der Löwenzahn, der bei uns „Radikia“ heisst, und der Fuchsschwanz, bei uns „Vlita“ genannt. Man sammelt und kocht immer die jüngeren, zärteren Pflanzen. Ausserdem kauft man in Griechenland meistens die ganze Rote Bete Pflanze, Knolle mitsamt Blättern, und kocht gleich alles zusammen. Die Stängel und Blätter der Roten Bete schmecken hervorragend mit Essig und Olivenöl* beträufelt, genauso wie die gekochten Knollen. Selleriestängel und –blätter von jungen Pflanzen mit langen aber noch dünnen Stängeln sind auch sehr lecker wenn sie gekocht sind. Diese kauft man im Bund, wie Petersilie, und man fügt sie oft zu Fischsuppe als Chorta hinzu, und isst sie nachher mit Zitronensaft und Olivenöl* beträufelt.

Junger Löwenzahn direkt aus meinem Garten!

Es gibt zwei interessante Verwendungen von den oben genannten Pflanzennamen in der griechischen Sprache: wenn jemand tot ist, sagt man dass man „den Löwenzahn von unten sieht“ („vlepei ta radikia anapoda“), und „Vlito“, also Fuchsschanz, nennt man eine sehr dumme Person.

Lange Rede kurzer Sinn: ich glaube dass meine wilden süßen Chorta, die hier in den Fotos abgebildet sind, eine Sorte junger Hirtentäschel sind. Ich kann das aber nicht garantieren, deswegen eine Bitte: nur wer sich wirklich mit essbaren und nicht essbaren Kräutern auskennt sollte probieren davon zu essen! Es gibt, genauso wie bei Pilzen, Vergiftungspotential!

Meine Mutter hat diese Chorta im Wochenmarkt gefunden. Die musste sie dann putzen, die Wurzeln entfernen und gründlich waschen.

Die geputzten Chorta in der Schüssel, bereit zum Waschen.

Die Chorta gibt man dann ins heisse Wasser. Die fallen zusammen und deswegen kann man viel mehr in den Topf geben als man denkt.

Die Chorta im Topf werden weich gekocht. Das dauert nicht lange, meistens 10 bis 15 Minuten. Danach kann man die Chorta warm oder kalt geniessen. Einfach salzen und mit Olivenöl* und frisch gepresstem Zitronensaft beträufeln!




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